Faschingstrubel

Traditionen, Trends und der süße Zauber der Krapfensaison

Faschingstrubel

Es liegt etwas Besonderes in der Faschingszeit. Während der Winter langsam ausklingt, beginnt die bunteste und lauteste Zeit des Jahres: Masken, Lachen, Kostüme, Bunte Bälle – und natürlich Krapfen in jeder Menge!

Fasching mit uralten Wurzeln

Masken, Lärm und das Erwachen der Natur tragen in vielen Elementen die Erinnerung an uralte Rituale, die von der Verbindung zwischen Mensch und Natur erzählten. Maskierungen, Lärmmachen und Verwandlung sind Moti­ve, die bereits in der Welt der urungarischen und anderer naturverbundener Glaubenssysteme präsent waren.

In schamanischen Traditionen war die Maske kein bloßer Schmuck, sondern ein Übergang zwischen zwei Welten: zwischen Mensch und Naturgeistern, Winter und Frühling, Vergänglichkeit und Neubeginn. Die lärmenden Faschingsumzüge – Glocken, Trommeln, Rufe – dienten ursprünglich nicht der Unterhaltung, sondern der Vertreibung von Winter, Dunkelheit und Krankheiten.

In der Sichtweise schamanischer und früher Glaubenswelten war Verwandlung kein außergewöhnliches Ereignis, sondern ein natürlicher Teil der Erneuerung. Die Faschingszeit ist daher nicht nur ein Fest, sondern ein Übergang zwischen Alt und Neu, der die Menschen auf den Frühling und die Aufgaben der kommenden Zeit vorbereitete.

Dieses Phänomen fügt sich auch gut in den zyklischen Rhythmus der Natur ein. An der Grenze zwischen Winter und Frühling befindet sich auch die Natur in einem Übergangszustand: alte, abgestorbene Formen verschwinden langsam, während die ersten Zeichen der Wiedergeburt erscheinen.

Woher stammt der Fasching?

Traditionell dauert der Fasching von Epiphanias bis Aschermittwoch und diente nach altem Volksglauben dazu, den Winter zu verabschieden und den Frühling willkommen zu heißen. Früher war dies das letzte große Fest vor der Fastenzeit: üppige Mahlzeiten, Tanz, Fröhlichkeit und ein wenig „verkehrte Welt“.

Die bekannteste ungarische Faschingstradition ist der Busójárás in Mohács, bei dem man mit furchteinflößenden Masken und lautem Lärm den Winter vertreibt. Seit 2009 steht er auf der Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO und gilt seit 2012 als Hungarikum. Heute zieht er auch Touristen und Fotografen an.

Zu den traditionellen Bräuchen gehört auch das Kisze-Puppenverbrennen bzw. -austragen: eine aus Stroh gefertigte Figur, die meist ein Mädchen darstellt und mit dem Winteraustreiben sowie der Feier des Frühlings verbunden ist. Kinder und Jugendliche fertigen die Puppe an und ziehen mit lärmenden Instrumenten – Dudeln, Trommeln, Pfeifen – auf den Platz, während sie wintervertreibende Reime rufen, zum Beispiel:
„Haj, ki kisze haj, wir tragen die Krankheit hinaus, bringen Gesundheit herein, haj kisze haj!“

Faschingstraditionen in anderen Teilen der Welt

Fasching ist nicht nur in Ungarn, sondern auch in vielen europäischen Ländern ein wichtiges Fest. Der Karneval von Venedig in Italien, der Karneval von Rio in Brasilien oder die Karnevalssaison in Deutschland sind besondere Ausdrucksformen dieser Tradition.

Faschingsbälle und Feste

Faschingsbräuche stehen auch im Zusammenhang mit der Partnerwahl: Mädchen, die bis zum Alter von zwanzig Jahren unverheiratet blieben, wurden oft verspottet. Diese Zeit war von Scherzen und Neckereien geprägt, weshalb verschiedene Bräuche entstanden, die „alte Jungfern“ verspotteten. Kein Wunder also, dass die Bälle und Feste zu den bedeutendsten Ereignissen der Faschingszeit zählten.

In adeligen Höfen wurden prunkvolle Maskenbälle veranstaltet, bei denen elegante Kleidung und kunstvolle Masken eine besondere Atmosphäre schufen. Diese Anlässe dienten nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Pflege gesellschaftlicher Beziehungen.

In den Dörfern waren die Zusammenkünfte lockerer und fröhlicher und boten jungen Menschen Gelegenheit zum Kennenlernen und zur Partnerwahl. Lustige Szenen, Volksspiele und Aufführungen symbolisierten den Abschied vom Winter und die Begrüssung des Frühlings.

Der spielerische Geist der Partnerwahl und der Frühlings­erwartung lebt bis heute auch in Hévíz weiter – in moderner Form. Am Valentinswochenende erwartet die Stadt Paare mit dem Programm HÉVÍZ – die Stadt der Küsse: romantische Kussbänke, stimmungsvolle Fotospots und liebevolle Überraschungen machen diese Zeit besonders.

Fasching heute: Tradition + Trend

Neben klassischen Bällen lebt der Fasching heute in neuen Formen weiter:

  • Themenpartys (Retro, Filme, Märchenhelden)

  • kreative Kostümparaden in Kindergärten und Schulen

  • „Instagram-kompatible“ Dekorationen

  • DIY-Kostüme und Upcycling-Lösungen

Der Schwerpunkt liegt zunehmend auf Selbstausdruck und Erlebnis – nicht darauf, wie „traditionell“ etwas ist, sondern wie viel Freude es bringt.

Der süße Höhepunkt: der Krapfen

Der klassische ungarische Faschingskrapfen ist ein ewiger Favorit, doch in den letzten Jahren hat auch die Krapfensaison ein neues Niveau erreicht:

  • gefüllte, glasierte, schokoladige oder Pistazien-Varianten

  • im Ofen gebackene „leichte“ Versionen

  • vegane und allergenfreie Krapfen

  • gemeinsames Krapfenbacken als Gemeinschaftsprogramm

Der Krapfen ist heute nicht nur ein Dessert, sondern ein Erlebnis: gemeinsames Backen, Experimentieren, Teilen – und natürlich Fotografieren, bevor er aufgegessen wird.

Auch in Hévíz bietet die Faschingszeit kulinarische Erlebnisse und Gemeinschaftsstimmung! Die Veranstaltung Asszonyfarsang auf dem Markt ist ein echtes Faschingstreiben: ein fröhlicher Kostümvormittag, Krapfenmarkt, Kostümwettbewerb und traditionelle Musik erwarten die Besucher. Die Teilnahme ist kostenlos, und Frauen erhalten sogar kleine Leckereien sowie Glühwein oder Tee.

Warum lieben wir den Fasching so sehr?

Weil er ein wenig Freiheit erlaubt. Wir dürfen für einen Abend jemand anderes sein – kindlich, verspielt und laut. Der Fasching erinnert uns daran, dass am Ende des Winters Lachen, Süße und ein wenig Chaos einfach dazugehören.

Vielleicht funktioniert er deshalb bis heute: weil Tradition und moderne Trends genau hier zusammentreffen – in einem puderzuckerbestäubten Lächeln.