Wellness mit viel Paprika in Heviz

Kuren haben in Westungarn lange Tradition. Schon vor über 200 Jahren hatte Graf György Festetics das Potenzial des Hévizer Thermalsees erkannt. Heute findet man dort die bedeutendste Wellness-Destination des Landes.

Wellness mit viel Paprika in Heviz

Zwei Dinge sind es, die einem Gast in Héviz gleich ins Auge (bzw. in die Nase) stechen: Buntes und Geruchsintensives. In der Fußgängerzone der hübschen Stadt sind knallbunte Schwimmnudeln allgegenwärtig. Kurgäste mit den geschulterten rosa, gelben, grünen, blauen Schaumstoffringen marschieren von ihren Hotels und Pensionen in Richtung Heilsee. Gerade mal ums Eck, mitten im Park, wo der Schwefelgeruch auch intensiver wird, ist das Haupttor zum speziellen Badevergnügen. Eins vorweg – selbst die feinste Nase gewöhnt sich rasch an die neuen, schwefeligen Dufterlebnisse.

Da liegt er nun, der Hévizer See, der größte biologisch aktive Thermalsee der Welt, über 30 Grad warm und reich an Kohlensäure, Methan und Schwefelwasserstoff. Schwimmen ist natürlich möglich, das macht aber kaum jemand. Zu warm, zu dunkel ist das Wasser. Die beste Art, das Heilwasser wirken zu lassen, sieht so aus: In der Schwimmnudel hängen, ein paar Tempi riskieren, die lila und rosa Seerosen bewundern und den angenehmen Zustand genießen.

Zala-Springs, ein 18-Loch-Championship-Platz für verwöhnte Golfer./

Dabei lässt’s sich gut nachdenken, warum Héviz bisher die „Große Unbekannte“ war. An der Entfernung kann’s nicht liegen: Flug Innsbruck

Wien, eine Stunde Transfer Wien/Héviz - nicht ganz drei Stunden. Ist es das Ost-Flair, etwa noch so eine Art postkommunistischer Charme? Fehlanzeige – nur noch vereinzelt und in Mini-Portionen spürbar. Héviz hat für seine touristische Weiterentwicklung 2016 sogar den „ESPA Innovation Award“ vom Europäischen Heilbäderverband erhalten.

So, die ersten 20 Minuten Heilbad sind vorüber – Pause. Dreimal 20 Minuten sind das empfohlene Bade-Maximum. Und wer das Bad im großen, öffentlichen Rahmen nicht mag, sucht sich am besten eines der modernen Wellness-Hotels aus. Die bieten neben medizinischer Wellness, Zahnbehandlung, Massagen auch das Baden im hoteleigenen Thermalwasser an.

Pools und Thermalbecken sind in Hévizer Hotels Standard – im Bild das Hotel Carbona.

Humor im Schloss

Knapp zehn Kilometer von Héviz entfernt lockt das nächste Wasser-Abenteuer. Im idyllischen Badeort Keszthely erwartet uns „Helka“ – ein wunderschönes Nostalgieschiff aus dem Jahr 1891 – zur Rundfahrt auf dem Plattensee. Prädikat: sehr empfehlenswert. Ebenso wie ein Rundgang im Barockschloss Fes­tetics. Nein, viel besser ist es, das drittgrößte Schloss von Ungarn mit kompetenter Führung zu erleben. Wir haben Glück – Nikolaus Lönhard, ein pensionierter Universitätsprofessor, erweckt die vielen Räume zum Leben. Humor ist seine Stärke, er weiß, wer in den 101 Räumen das Sagen hatte, warum Georg Festetics 15 Sprachen konnte, der Empfangssaal für Damen ständig verändert wurde oder eine Zentralheizung bereits 1887 ein Thema war.

Information Heviz

Wellness in Bad Héviz, Preisbeispiele für eine
Woche Halbpension, pro Person in der Hochsaison:
Hotel Bonvital, 74 € täglich,1 Woche 441 €
Hotel Carbon, 91 € täglich,1 Woche ab 546 € proPerson
Lotus Therme Hotel,107 € täglich, 642 € füreine Woche
Hotel Európa fit: 89 € täglich, 1 Woche ab 623 €
Die Autorin reiste auf Einladung des Héviz Tourismus Marketing.

So viel Kulturgenuss macht hungrig. Das Familienrestaurant Magyar serviert ungarische Spezialitäten, die etwa eine Gulaschsuppe zu einem kulinarischen Hochgenuss machen. Paprika, scharfe Wurst, Gulasch, dazu Roma-Musik – feurig geht’s an diesem Abend zu. „Erös Pis­ta“, „starker Stefan“, heißt die scharfe Paprikacreme, die zu jedem Gericht serviert wird. Im Haus Magyar werden davon jährlich 100 Kilogramm gemacht. „Nur Paprika aus Szeged oder Kalocsa wird dabei verwendet“, sagt der Chef des Hauses. Die beiden Orte sind wegen ihrer sonnigen Lage berühmt für den besten Paprika. „Starker Stefan“ oder auch die „süße Anna“ sind beliebte Mitbringsel, die auf den Bauernmärkten zu kaufen sind. Tipp: bei Flugreisen keinesfalls im Handgepäck mitnehmen.

Wassersport ist im Land des größten Steppensees von Mitteleuropa, dem Plattensee, natürlich ein großes Thema. Segeln, Surfen, Wasserski – alles ist möglich. Neu ist, dass das Golfspielen im Balaton immer beliebter wird. „Ja, ja, wir haben gleich in der Nähe einen Golfplatz“, lautet die Antwort auf die Frage nach eventuellen Golf-Aktivitäten. Und welch eine Überraschung – ein wahres Golfer-Paradies eröffnet sich in nur zehn Kilometern Entfernung. Zala Springs, ein 18-Loch-Championship-Platz der allerfeinsten Art, der im persönlichen Golfplatz-Ranking ganz vorne landet. Von extrem weiten, gepflegten Fairways, vielen Bunkern und abwechslungsreichen Bahnen handeln oft Golfer-Träume. Wer hätte denn an so was gedacht?

Urlaub mit Überraschungen

Von einer Überraschung zur nächsten – ins Naturschutzgebiet Fenékpuszta, in die Vogel-Beringungs- und Schutzstation. Der riesige Schilfgürtel ist ein Paradies für Hunderte Vogelarten. Jährlich werden rund 20.000 Vögel zwecks Kontrolle mittels riesiger Netze gefangen, eingesammelt, so rasch wie möglich „behandelt“ und wieder in die Freiheit entlassen. Mit ein bisschen Glück ist man dabei, wenn ein Eisvogel oder Bienenfresser vermessen wird und anschließend mit befreiendem Gezwitscher wieder davonflattert.

Und weil das Wetter an diesem Tag grad richtig passt, zieht der hübsche Eisvogel sogar noch eine Extra-Runde für uns. Andächtig beobachten wir seine Flugkünste, starren in den Himmel und sind mit uns, mit Héviz, dem touris­tischen Angebot und den Überraschungen mehr als zufrieden. (Stefanie Kammerlander)

Paprika in allen Größen und Schärfen gibt’s am Hévizer Bauernmarkt.

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